Freitag, 28. Dezember 2012

Und täglich grüßt...

Du liegst in deinem Bett, hast dich gerade übergeben und dir ist verdammt kalt. Du nimmst dir so viel für den nächsten Tag vor "Morgen passiert das nicht nochmal!" "Morgen werde ich mich unter Kontrolle haben!" ... Du glaubst fest daran, dass du es schaffst. Es ist ja nur essen. In diesem Moment ist das vermutlich wahr, denn du hast genug. Langsam fällst du in einen unruhigen Schlaf voller Alpträume.
Du erwachst. In deinem Kopf herrscht völlige Leere. Du erinnerst dich nicht an letzte Nacht, weder an den Fressanfall noch an das Kotzen danach. Alles was bleibt, ist die unendliche Traurigkeit und die geraden, noch nassen Schnitte an deiner Hüfte, deinem Bauch, deinen Rippen ... Du fühlst dich, als hättest du die ganze Nacht durchgesoffen und dein Kopf brummt.
Irgendwann schaffst du es aus deinem Bett hinaus, wahrscheinlich wartest du, bis du alleine bist. Dein Weg führt dich direkt ins Badezimmer. Pinkeln, ausziehen, wiegen.
Du hast dein Gewicht gehalten.
"Du hättest auch abnehmen können, müssen, sollen..."
Der Versuch die Stimmen zu ignorieren scheitert nachdem du einen Blick in den Spiegel wagst.
"Fettes Schwein! Ekelhaft! Hässlich! Schlampe!"
Alles bricht in sich zusammen, du willst weinen, schreien, auf etwas einschlagen, auf dich selbst einschlagen ... ESSEN.
Du bist hungrig, willst einfach alles in dich hineinstopfen. Aber was sollst du essen? Für welches Lebensmittel würde es sich lohnen? Du willst Geschmäcker in deinem Mund erleben, die nicht mal existieren. Du willst alles und nichts. Trotzdem stopfst du dir nach und nach alles Essbare in den Mund. Trinken nicht vergessen, man lernt schließlich dazu (leichter Kotzen...).
Die Niederlage ist erst vollkommen wenn du frisst wie ein Schwein.
Irgendwann erwachst du. Dir wird klar was du gerade getan hast und immer noch tust. Der Hunger ist nicht gestillt, doch automatisch hörst du auf.
Die Stimmen sind zurück. Sie beleidigen dich und rauben dir den Verstand.
Auf Knien vor der Toilettenschüssel verlierst du nun dein letztes bisschen Würde.

Ich erlebe diesen Ablauf jeden Tag und ich schwöre, irgendwann wird das ganze mich töten. Wenn es das nicht schon innerlich getan hat.
Und warum das Ganze?
Um "Schönheit" zu erlangen, sich selbst zu bestrafen, anderen etwas beweisen, fliehen ...



Schön wär's, liebe Gesellschaft.

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